Montag, 20. Februar 2017

Nur Tote können Trumps Amerika retten

Vor über 2600 Jahren schrieb einer der brilliantesten Köpfe seiner Zeit diese unsterblichen Worte: "Nur die Toten haben den Krieg schon gesehen". Als Schüler von Sokrates, hatte Platon auch einen nicht weniger genialen Lehrmeister, um im Laufe der Zeit noch weitere denkwürdige Sprüche für die Ewigkeit zu verfassen. Auf die heutige Zeit bezogen, darf insbesondere dieser Spruch nicht fehlen, der nichts an seiner Aktualität und Gültigkeit verloren hat: "Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen."

Was für die Zeit Platons galt, als Athen die Früchte des Sieges über die persischen Großkönige Darios I. und Xerxes I. erntete, galt auch all die Jahrhunderte danach bis heute: von Fehlern unserer Väter und Vorväter zu lernen. Im normalen Leben eine Selbstverständlichkeit, doch in der Politik eine Rarität. Die meisten Politiker, Diktatoren oder Könige die an die Macht kommen, denken es besser machen zu können als ihre Vorgänger. Nur den Wenigsten gelingt das tatsächlich. Die meisten von ihnen begehen unterm Strich die gleichen Fehler, nur nehmen sie dafür einen anderen Weg als ihre Vorgänger. Schauen wir doch mal auf US-Präsident Barack Obama: wie ein politischer Rockstar mit der "Yes We Can"-Hymne gefeiert, war er am Ende seiner zwei Amtszeiten der einzige Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, der jeden einzelnen Tag im Kriegszustand verbrachte. 730 Tage Krieg.

Und doch trauern ihm viele Menschen nach, gerade hier in Deutschland und Europa allgemein. Das zeigt, wie gut sich Obama selbst und wie gut er seine Kriege in sieben Ländern verkauft hat. Was würde wohl Platon dazu sagen?

Auch Donald Trump kam mit dem Versprechen an die Macht, es besser als alle seine Vorgänger der letzten dreissig Jahre zu machen. Nicht besser für die Elite des Landes und auch nicht unbedingt für US-Konzerne, sondern besser für das amerikanische Volk. Und damit auch für Amerika selbst. So lobenswert sein Versprechen und auch seine Taten der ersten Tage im Amt waren, so stümperhaft hat Trump dort weitergemacht, wo Obama aufgehört hat: im Krieg.

Kaum ein paar Tage im Oval Office, gab der US-Präsident den Befehl für einen Einsatz der US Navy SEALs im Jemen, wo das berüchtigte SEAL Team 6 und ein Sondereinsatzkommando der Armee der Vereinigten Arabischen Emirate den Al Qaida Terroristen Qasim al-Rayni festnehmen oder töten wollte. Die Operation selbst wurde noch unter der Obama-Regierung geplant, aber das grüne Licht kam von Verteidigungsminister James "Mad Dog" Mattis und dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General Joseph Dunford. Angeblich überredeten sie Trump zu diesem Einsatz, indem sie an sein übergroßes Ego appellierten und meinten, Obama hätte nie den Mut für diesen Befehl gehabt. Dieses Macho-hafte Billy the Kid-Getue kostete 30 unschuldigen Menschen das Leben, darunter acht Frauen und acht Kinder. Auch ein Mitglied des SEAL Team 6 wurde bei diesem Einsatz getötet.

Bezeichnend für dieses Drama im Jemen, ist die Art und Weise wie Washington damit umgegangen ist. Das Weiße Hause sprach von einer "nach jeglichem Standard erfolgreichen Operation", obwohl der Einsatz ein riesengroßer Reinfall war und das eigentliche Ziel, Qasim al-Rayni, fliehen konnte. Um doch noch irgendwie den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, veröffentlichte das Verteidigungsministerium von "Mad Dog" Mattis ein Video, um das Desaster durch den vermeintlichen Erfolg abzumildern. Doch wie es sich nun herausgestellt hat, war dieses Video aus dem Jahr 2007 und seitdem auch auf YouTube einsehbar.  Um dem Eklat vollends die Krone aufzusetzen, gab es im Kongress eine Schweigeminute für den getöteten Navy SEAL Ryan Owens, während es für die unschuldigen Frauen und Kinder des US-Terroranschlags nicht einmal Worte des Bedauerns gab.

Platons Worte hallen hier unangenehm nach. Und doch ist es die Realität, vor der sehr viele Menschen ihre Augen verschließen. Auch davor, wie Präsident Trump praktisch über Nacht den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Gefahr für die Europäische Union abgelöst hat. So äußerte sich zumindest Frankreichs Präsident Francois Hollande beim EU-Gipfel auf Malta vergangene Woche. Selbstgefällig bemängelten die noch 28 Mitglieder der Union den "fehlenden Respekt" von Trump gegenüber Europa. Dass es aber sie selbst waren, die sich Trump gegenüber während dem Wahlkampf und seiner Wahl respektlos zeigten, mochte sich in dem Moment niemand eingestehen. Oder respektlos gegenüber den Menschen der EU-Staaten, denen sie alle paar Monate einen neuen Feind auftischen. Wie zum Beispiel Mitte Januar, als "EU-Experten" und selbst Schweizer Medien Alarm aufgrund von "gezielter russischer Desinformationskampagne gegen Angela Merkel" schlugen, nur um ein paar Tage später vom Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Verfassungsschutz (BfV) genau das Gegenteil zu hören.

Donald Trump ist mit Sicherheit kein Heiliger und erst recht nicht ein erfahrener Politiker, geschweige denn ein Diplomat. Und er wird die "einzig verbliebene Supermacht" vielleicht auch nicht wie ein Politiker, sondern wie ein Unternehmer führen. Statt ihn zu dämonisieren, wäre es für unsere Politiker angebrachter, diese vermeintlichen Nachteile zu nutzen. Doch danach sieht es im Moment ganz und gar nicht aus. Nachdem wir Russland die Türe zugeschlagen haben, begehen wir nun denselben Fehler mit Amerika. Wie war das gleich nochmal mit "nicht lernen zu wollen"?



Senator Tom Cotton mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in seinem Büro in Jerusalem am 30. September 2015 (Bild von Tom Cotton`s Büro)

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Montag, 6. Februar 2017

Ost-Ukraine: Putin in der Klemme

Seit dem Besuch des als Kriegshetzer bekannten US-Senators John McCain und Lindsey Graham - Präsident Trump beschuldigte sie öffentlich "unentwegt am Dritten Weltkrieg" zu basteln - über die Silvesterfeiertage in der Ukraine (und Baltikum), setzt die ukrainische Regierung die in Kiews Regierungskreisen vielfach genannte "kroatische Option" um. Damit ist die Vorbereitung in Kroatien für die "Operation Sturm" im Sommer 1995 gemeint, als eine ungeheure Feuerkraft in die Nähe der Frontlinien der von serbischen Extremisten und jugoslawischen Volksarme (JNA) besetzt gehaltenen Gebiete Kroatiens verlegt wurde. Dieser Prozess läuft nun schon seit Sommer 2016 und scheint mit der ukrainischen Offensive abgeschlossen zu sein.

Noch während sich manche deutschsprachige Medien wie die notorisch russophobe BILD, Welt oder die österreichische Heute über einen vermeintlichen russischen Angriff oder russische Offensive ereifern, brachte der ukrainische Vize-Verteidigungsminister Igor Pawlowskij diese Falschmeldungen zum Sturz. Vor Selbstvertrauen strotzend, erklärte Pawloswkij vor versammelten ukrainischen Journalisten, dass es sich um eine Offensive handelt, bei welcher "unsere Jungs Meter für Meter, Schritt für Schritt, bei jeder Gelegenheit vorgedrungen sind". Das "Kalkül" - eine bemerkenswerte Wendung im Ton der Süddeutschen Zeitung -  der ukrainischen Regierung in Kiew ist so offensichtlich, dass Präsident Petro Poroschenko seinen Besuch in Berlin vorzeitig abbrach, weil er sich die erhoffte diplomatische Rückendeckung aus dem Kanzleramt nicht sichern konnte. Auch das US-Außenministerium hielt sich mit ansonsten schneller Kritik an Russland bedeckt. In der Nacht vom 02. auf den 03. Februar blies dann aber die neue US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, jegliche Objektivität in den Wind als sie erklärte:
"Ich MUSS die aggressiven Handlungen Russlands verurteilen."
 Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin muss das ein ziemlicher Schlag in die Magengrube gewesen sein. Einer von jenen wenigen Schlägen, die er als Judoka nicht hat kommen sehen. Erst recht nicht, nachdem er fünf Tage zuvor ein einstündiges Telefonat mit US-Präsident Donald Trump hielt, welches nach Bekundungen aus beiden Kapitalen positiv verlief. Was ist also in diesen fünf Tagen geschehen, dass sich die Atmosphäre von positiv in aggressiv verwandelt hat?

Natürlich hat es mit dem Ausbruch von ernsthaftem Beschuss auf Wohngegenden in den selbstausgerufenen "Volksrepubliken" Donetsk und Lugansk, und entlang der gesamten "Kontaktlinie" zu tun. Wie wir aber vom ukrainischen Verteidigungsministerium wissen, handelt es sich nicht um eine "russische Aggression", sondern um eine ukrainische Offensive. Diese begann just in dem Augenblick, als eine ernsthafte Auseinandersetzung über die Frage ausgebrochen ist, ob die US- und EU-Sanktionen gegenüber Russland aufgehoben werden können. Gerade für die Europäische Union, die sich mit den Sanktionen erheblich von Amerika in punkto Arbeitsplatzsicherung abhängig gemacht hat, wäre es nach Trumps Aussetzen von Verhandlungen über die Freihandelsabkommen TTIP/TTP, eine willkommene Gelegenheit gewesen. Obwohl Berlin und Paris diesen Weg gegen den Protest aus anderen EU-Staaten versperrten, wurden ukrainische Diplomaten nicht müde zu betonen, dass man doch angesichts der "russischen Feindseligkeiten" nicht von einer Aufhebung der Sanktionen sprechen könne. Zudem spielt es noch eine wichtige Rolle, dass die Ukraine am 1. Februar den UN-Vorsitz im Sicherheitsrat für diesen Monat übernommen hat, und so einen gewissen Einfluss auf die Agenda im Rat ausüben kann.

Fassen wir also kurz zusammen: Kiew sah sich mit der Wahl von Donald Trump mit einem Weissen Haus konfrontiert, welches nicht mehr zu 100% hinter den nationalistisch-faschistischen Kräften stand. Trump sprach von einer Verbesserung der Beziehungen zu Russland und machte sich Gedanken über einen Mechanismus, die Sanktionen beenden zu können. In Europa haben etwa 400.000 Menschen ihren Arbeitsplatz aufgrund der Sanktionen verloren, allein in Deutschland waren es 97.000 Jobs. Der internationale Druck auf Kiew ist in den vergangenen Monaten gewachsen, endlich das Abkommen von Minsk umzusetzen, auch wenn es öffentlich immer auf Russland abgeschoben. Von einer EU oder NATO-Mitgliedschaft ist die Ukraine vielleicht weiter weg, als es noch 2014 der Fall war. Das bedeutet die einzige Partei die ein Interesse am Status Quo hat, also Krieg im Osten der Ukraine, im Donbass, ist die Ukraine selbst.

Mit heftigem Beschuss mit schwerem Kriegsgerät, wie zum Beispiel GRAD-Mehrfachraketenwerfern, Tochka- und Uragan-Raketen und vielen weiteren Artilleriegeschossen, von Wohngebieten in und um Donetsk, terrorisiert die ukrainische Regierung die Bevölkerung im Donbass auf beiden Seiten der Kontaktlinie. Wer möchte, kann sich dieses Video anschauen und sich über den Terror ein Bild machen, den Familien in ihren Wohnhäusern durchmachen müssen. Für alle anderen sollen diese zwei Bilder von dem Wohnblock im Video reichen.


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Sonntag, 5. Februar 2017

Wenn Worte zur Gefahr für die nationale Sicherheit werden

Vaclav Klaus könnte man zu den Gründerväter der modernen Tschechischen Republik zählen. Durch seine Arbeit, zusammen mit seinem slowakischen Kollegen Vladimir Meciar, gelang ihm 1993 das, was vielen anderen nach Unabhängigkeit strebenden Völker nicht gelungen ist: eine friedliche Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten. Noch bis 2013 bekleidete er wichtige politische Ämter, die letzten zehn Jahre als Staatspräsident. Unter seiner Ägide und Mitarbeit - trotz heftiger Kritik an der EU - führte er das Land in die Europäische Union und den transatlantischen NATO-Verbund. Wenn also jemand etwas über Demokratie erzählen kann, dann gehört Vaclav Klaus sicherlich zu den erfahrensten Männern auf diesem Gebiet.

Umso erschreckender sind die Worte, die Klaus zur Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes der Europäischen Union benutzt hat:
"Kleine europäische Länder haben aufgrund des Lissabon-Vertrages jegliche signifikante Rolle in Europa verloren. Deswegen leben wir heute in einem post-demokratischen Europa. Und es tut mir Leid das zu sagen, viele Politiker in Zentraleuropa - nicht nur in Westeuropa - genießen solch einen post-demokratischen Zustand."
Das klingt nicht gerade nach einer europäischen Erfolgsgeschichte nach Brüssler Lesart. Bewundernswert ist auch, dass es noch keinen medialen Sturm hierzulande gegeben hat, der Vaclav Klaus in die gleiche braune Ecke gestellt hat, wie es mit Wladimir Putin, Victor Orban oder jetzt mit Donald Trump getan wird. Kritik an dieser Vorgehensweise, ja überhaupt Kritik am demokratischen Defizit der EU und deren immer autoritäreres Auftreten, ist nicht erwünscht. Und da wir offensichtlich in einer "postfaktischen Welt" leben, in der auch die Demokratie den Zusatz "post-" erhalten hat, muss man wohl auch von einer "post-Rede-" oder "post-Meinungs- bzw. Pressefreiheit" sprechen. Zensur würde ja zu sehr nach Zuständen in jenen Ländern klingen, wohin wir doch unsere "Werte und Demokratie" exportieren wollten.

Und dennoch haben wir in der Europäischen Union ganz unbemerkt die Zensur, pardon, "post-Pressefreiheit" eingeführt, ohne dass es dazu auch nur den geringsten politischen Austausch zwischen Herrscher und Beherrschten gegeben hätte. Ganz in diesem Sinne verfährt Brüssel selbst mit eigenen Abgeordneten, denen es den Zugang zu "Schattengremiumsitzungen" (als Trilog bekannt) verwehrt, wo Gesetzgebungen ohne jegliche protokollarische Ordnung besprochen werden. Mit der Verabschiedung einer Resolution des EU-Parlaments vom 23. November 2016, hat das Parlament in Strassburg sozusagen bekräftigt, dass sich die EU mit Russland im Krieg befindet. Indem der Kreml (im Papier als "Regime" bezeichnet) dieser Resolution nach einen hybriden Krieg gegen die EU führt, mit der Absicht, die Union zu spalten und deren gute transatlantische Beziehungen zu stören, soll diese "Propaganda" mit Gegenpropaganda bekämpft werden. Russland wird dabei implizit mit "transnationalen Terroristen und kriminellen Organisationen" gleichgesetzt. Zwar "ist nicht sämtliche Kritik an der EU oder ihrer Politik notwendigerweise als Propaganda oder Desinformation zu bezeichnen", so hört der Spaß aber dort auf, "wo es Fälle von Manipulation oder Unterstützung durch Drittländer (gibt), mit der Absicht die Kritik anzufeuern oder zu übertreiben, (was) Grund genug ist, die Zuverlässigkeit dieser Nachrichten zu hinterfragen." Dann wird nämlich alles - da es keine Definition gibt was gut (pro-EU) oder was schlecht ist (contra-EU) - als "Informationskriegsführung" bezeichnet.

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Montag, 30. Januar 2017

Zeitenwende in Israel-Palästina

Nach der spektakulären Amtseinführung des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald J. Trump, herrscht größte Unsicherheit weltweit. Spektakulär war die Inauguration insbesondere deswegen, weil Trump, nachdem er sich zuerst freundlich bei seinem Amtsvorgänger Barack Obama für die problemlose Schlüsselübergabe im Weissen Haus bedankt hatte, zur heftigsten Ohrfeige aller Zeiten für die versammelte Mannschaft ehemaliger Präsidenten, Senatoren und ihren Unterstützern ausholte. Unumwunden warf er ihnen vor, Amerika in den letzten Jahrzehnten herunter- und primär in die eigenen Taschen gewirtschaftet zu haben. Der neue Präsident hielt den alten den Spiegel vor die Augen, den sie trotz ihrem Amtseid (zum Wohle des Volkes zu dienen) ignoriert haben und der ihn schließlich auch dahin brachte, wo er sich jetzt befindet: an die Spitze der USA.

Ob ein Präsident Donald Trump tatsächlich Amerika wieder groß machen wird, wie er es im Wahlkampf und während der Amtseinführung versprochen hat, wird man wenn überhaupt erst nach seiner Amtszeit beurteilen können. Ob aber das, was er und sein Beraterstab für Amerika gut befinden, auch für die vernetzte Welt von heute gut ist, bleibt ebenfalls abzuwarten. Fakt ist zumindest, dass insbesondere die europäischen Regierungen, wie auch die Europäische Union, jetzt plötzlich führungslos zwischen Atlantik und Pazifik dümpeln. Keiner weiß so recht, in welche Richtung es von nun an gehen soll. Großbanken sprechen von einer "neuen Weltordnung", Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier meinte gar, "mit der Wahl Donald Trumps ist die alte Welt des 20. Jahrhunderts endgültig vorüber."

Und damit hat Außenminister Steinmeier völlig recht. Das liegt aber nicht an der Person Donald Trump, sondern am internationalen System des Turbokapitalismus, der die Welt verwüstet hat. Nur wollten die Regierungen das nirgendwo wahrhaben, da sie Teil dieses Systems und somit mitverantwortlich waren und sind. Aber ja, die "alte Welt des 20. Jahrhunderts" ist tatsächlich vorüber. Und nur Wenige haben sich darauf vorbereitet und eingestellt.

Israel gehört zu diesen wenigen Staaten, die sich mit einer Trump-Administration bestens anfreunden können. Trotz Bedenken und Kritik aus dem linken Lager während des US-Wahlkampfes, fanden die Rechten und insbesondere die illegalen Siedler die Vorstellung einen Präsidenten Trump gar nicht so übel. An einer Bushaltestellte bei der Siedlung von Ariel, mitten im palästinensischen Kernland gelegen, fand Anfang Oktober 2016 ein Reuters-Fotograf ein Wahlplakat von Trump/Pence, inklusive hebräischer Übersetzung. Das war schon ein klares Zeichen, in welche Richtung der Wind blies.

                                                             Bild von Reuters, vom 6.10.2016

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Montag, 23. Januar 2017

Ja, Russland hat die US-Wahl beeinflusst

Hat oder hat Russland nicht die US-Präsidentschaftswahl im November 2016 beeinflusst, deren Sieg der Kandidat der Republikaner, Donald Trump, davongetragen hat. Darüber streitet man sich bin in die höchsten Regierungsebenen in Amerika und Russland, aber auch in diversen anderen Ländern auf dem "alten Kontinent". Irgendjemand muss schließlich schuld daran sein, dass ein Mann gewählt wurde, dem Medien und Umfrageinstitute anfänglich (und manche bis zum Schluss) keinerlei Chance gegen ex- US-Außenministerin und Kandidatin der Demokraten Hillary Rodham Clinton zugestanden haben.
Umfrageergebnis der Huffington Post vom 7. November 2016, einen Tag vor der US-Wahl

Der Schock, nicht nur in Amerika selbst, sondern noch viel mehr in Europa, saß tief, als Clinton ihre Niederlage einräumte. Selbst heute, kurz vor der Inauguration des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, hat man diesen Schock weder in Europa und erst recht nicht auf der anderen Seite des Atlantiks verdaut.

Die Schuld für ihre Niederlage, beschrieb Clinton folgendermassen:
"Es gab einige noch nie dagewesene Faktoren, von denen ich glaube, dass wir sie nicht ignorieren können, weil sie ansonsten eine Gefahr für uns darstellen. Aber, nehmt es (die Fakten/Anm.) nicht von mir. Nehmt es von unabhängigen Analysten. Nehmt es von der Trump-Kampagne. Nehmt es von Nate Silver, der darauf hingewiesen hat, dass Wähler der Schwingstaaten ihre Entscheidung gegen mich in den letzten Tagen getroffen haben, wegen dem FBI-Brief von Direktor Comey. Und Nate Silver glaubt - und ich glaube das - dass dieser Brief höchstwahrscheinlich den Unterschied im Ausgang (der Wahl/Anm.) gemacht hat. Aber wir hören auch jeden Tag etwas mehr über die noch nie dagewesene russische Verschwörung, die Wahlen zu beeinflussen. Und das ist etwas, worüber sich jeder Amerikaner sorgen sollte. Wir müssen anerkennen, wie es die letzten Berichte klargemacht haben, dass Wladimir Putin selbst die geheimen Cyberattacken gegen unser Wahlsystem, gegen unsere Demokratie gesteuert hat, augenscheinlich (deswegen) weil er etwas persönliches gegen mich hat."
 Auch der scheidende Präsident Obama äußerte sich in ähnlicher Weise. Dass es Hillary Clinton nicht geschafft hat, durch ihre "Erfahrung, ihrer - ihrem Wissen, ihrer herausragender Reputation weltweit als Aussenministerin", dass hätte an der veränderten "Atmosphäre" nach der vermeintlichen russischen Einmischung gelegen. Deshalb habe er bereits Anfang September dem russischen Präsidenten Putin persönlich gesagt, er solle sich "zurückziehen", andernfalls würden "ernsthafte Konsequenzen" drohen. 

Fassen wir also kurz aus der Sicht von Hillary Clinton zusammen: Donald Trump wurde zum 45. US-Präsidenten gewählt, weil a) sich Hillary Clintons Wahlkampfatmosphäre durch eine wie auch immer geartete russische Einmischung verschlechtert hat, in dem Wähler vom Clinton-Wahlkampf durch einen Clinton-Skandal nach dem anderen abgelenkt wurden; b) die US-Medien genauso mitschuldig daran sind, weil sie erst jetzt "endlich damit beginnen Fakten aufzugreifen, die wir ihnen verzweifelt während den letzten Monaten des Wahlkampfes zeigen wollten"; c) FBI-Direktor James Comey am 28. Oktober 2016 einen Brief veröffentlichte, in welchem er Clinton eine erneute FBI-Untersuchung wegen der E-Mail-Affäre androhte; d) und sozusagen last but not least, weil Nate Silver, ein Statistiker der einigen Ruhm seit der Wahl von 2008 erreicht hat und seitdem aber mit dem meisten falsch lag, ihren Sieg vorausgesagt und sie es laut eigener Aussage ja auch geglaubt hat.

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Donnerstag, 12. Januar 2017

Wird die Auflösung der Republik Zypern geplant?

Während die meisten nach dem Schock des Terroranschlages von Berlin sich den Weihnachts- und Neujahrsfestlichkeiten gewidmet haben, sind auf der beliebten Mittelmeerinsel Zypern seltsame Dinge vor sich gegangen. Das alles beherrschende Thema, sowohl auf zypriotischer Seite der Republik Zypern als auch im nördlichen, seit 1974 von der Türkei besetzten Teil der Insel, sind die von den Vereinten Nationen initiierten "Friedensgespräche" zur Beilegung des Konflikts. Am 12. Januar 2017 soll nach Möglichkeit in Genf ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet werden. Das Ende eines jahrzehntelangen Konflikts scheint in greifbarer Nähe zu stehen.

Grund genug also, für die griechisch-zypriotische Bevölkerung ihr Weihnachtsfest am 7. Januar 2017 in einer Atmosphäre der Hoffnung, ganz im Sinne der christlichen Weihnachtsbotschaft, zu begehen?

Erzbischof Chrysostomos II., geistliches Oberhaupt aller orthodoxen Christen auf Zypern, teilte in seiner Weihnachtsansprache, die in allen Kirchen auf der Insel verkündet wurde, diese Hoffnung ganz und gar nicht. Im Gegenteil. Er griff indirekt den Präsidenten der Republik Zypern an, indem er die "Lösung" die die Unterhändler ausgehandelt haben, als einen Verfassungsbruch und somit für nicht akzeptabel verurteilte. Diese Position bekräftigte der Erzbischof erneut in einem Silvesterinterview mit einem Radiosender auf Kreta, wo er die "unerklärliche Politik" des Präsidenten Nicos Anastasiades auf erheblichen Druck der Vereinigten Staaten von Amerika und insbesondere auf die Leiterin für europäische und eurasische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Victoria Nuland, zurückführt.

Victoria Nuland. Wenn dieser Name fällt, löst er schon fast unumgänglich eine Emotion aus. Je nachdem von welcher Seite man es betrachtet, reichen diese über Bewunderung bis zu regelrechtem Hass. Victoria Nuland die "Krawallmacherin", wie es SpiegelOnline in einem der seltenen Kritiken an der US-Politik formuliert hat. Jedem der den Ukraine Konflikt verfolgt, wird Nuland noch sehr gut in Erinnerung sein. Wie sie in einem abgefangenen Telefonat dem damaligen US-Botschafter in Kiew (und welch Zufall, heutigen US-Botschafter in Athen) Geoffrey Pyatt mitteilt, wer welchen Kabinettsposten nach dem noch im Amt stehenden Präsidenten Viktor Janukowitsch erhalten soll. Und was sie von der Europäischen Union hält ("fuck the E.U.").

Was hat es also mit Victoria Nuland und Zypern auf sich?

Zum einen fällt die Insel schon rein von der geografischen Lage in ihr Aufgabengebiet. Zum anderen, und das ist der springende Punkt, hat Nuland nur noch diese eine Chance am 12. Januar, sich selbst ein weiteres Denkmal zu setzen und der US-Politik unter der Administration von Barack Obama den letzten Schachzug zu ermöglichen. Denn wie allgemein erwartet wird, wird dem Auszug von Obama aus dem Weissen Haus in Washington am 20. Januar 2017 folgend, auch Nuland aus dem Außenministerium ausscheiden. Wir haben also auf der einen Seite den unerbittlichen Zeitfaktor, auf der anderen aber die ideologische Überzeugung und entsprechende Ausrichtung sowie Handlung einer Elite, deren Grossmachtdenken im 21. Jahrhundert keinen Platz mehr hat. Und diese Elite sieht sich mit dem Wechsel im Weissen Haus massiv bedroht und um ihre Früchte gebracht, sollte der neue Herr im Hause, Donald Trump, den Kurs einschlagen den er mit wenigen Ausnahmen nicht wirklich formuliert hat. Genau das macht ihn für die Elite - zu der Hillary Rodham Clinton gehört und deren Vertretung sie als Präsidentin übernommen hätte - unberechenbar und deshalb auch gefährlich.

 Zypern befindet sich auf der selben neuen Bruchlinie die sich zwischen zwei Weltanschauungen herauskristallisiert, wie die Ukraine und Syrien auch. Alle Länder die sich links oder rechts der roten Linie auf meiner zugegeben primitiv gestalteten Karte befinden, sind in höchstem Masse durch Instabilität bedroht. In den mit schwarzen Linien versehenen Ländern, hat der "Westen" unter der Führung der USA entweder militärisch, oder durch Einsatz moderner "regime-change"-Techniken bereits interveniert, ohne jedoch das Ziel erreicht zu haben. Die rosa Linien zeigen die punktuellen Stopps, die Russland, als momentaner Anführer der Widerstandsideologie der insbesondere China und Iran angehören, als Verteidigungsmassnahmen gezogen hat. Die blauen Striche zeigen die Vorherrschaft der USA/NATO und deren gewünschte Richtung an, der blaue Kreis unterhalb von Zypern das gigantische Gasvorkommen vor den Küsten Zyperns, Libanons, Israels, Gaza und Ägypten. Die Türkei bleibt nach dem versuchten Putsch an Präsident Erdogan im Sommer 2016 ein großes Fragezeichen für beide Seiten.


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Mittwoch, 4. Januar 2017

Deutschland mitverantworlich für das Blutbad in Syrien

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel fing die heutige Syrienkrise bereits im Sommer 2006 an, als es Israel nicht gelungen war, die Hezbollah im Libanon militärisch zu besiegen. Dabei hatte Merkel (nebst George W. Bush, Tony Blair und Stephen Harper) alles auf diese Karte gesetzt, nachdem jede Menge Blutvergießen im Libanon bereits nach der ersten Woche der Kämpfe hätte verhindert werden können, als die Hezbollah einen Waffenstillstand angeboten hatte.

Nun wird die deutsche Syrienpolitik aber auch von anderen Ereignissen beeinflusst, die allesamt sehr komplex miteinander verwoben sind: Energiepolitik, US-Interessen in der Region, Israel, Libanon und Hezbollah, Iran, Russland und zuletzt auch die Türkei.

Angela Merkel wurde im September 2005 mit dem klaren Mandat zur Bundeskanzlerin gewählt, zumindest war es ihr ausgewiesenes Wahlversprechen, eine traditionell engere Beziehung zu den Vereinigten Staaten von Amerika wieder herzustellen. Natürlich freute man sich in Washington darüber, gleichzeitig zeigten diplomatische Depeschen, dass man alles andere als glücklich über die Situation im Berliner Außenministerium ist. Sowohl den mittlerweile verstorbenen Guido Westerwelle, als auch den gegenwärtigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier betrachten die USA als Hindernis zu Merkels vollkommenen US-Beziehung.

Berichte wie diese aus dem Jahr 2002, als in der FAZ noch Stimmen zugelassen wurden, die von der "Jetzt bringen wir die Region mal auf Vordermann"-Politik nichts hielten, sind seit der Kanzlerschaft von Angela Merkel äußerst rar geworden. Kein Wunder, gehörte sie doch zu den Gegnern von Kanzler Schröders "Finger weg"-Politik.

Wenn Merkel also "anti-syrische Neigungen" hegte, dann galt das ganz bestimmt auch für den Iran. Erst recht, nachdem der millionenfach zitierte Übersetzungsfehler des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad für Furore in den höchsten Politkreisen zog und selbst heute, zehn Jahre später, nach wie vor seine Runden dreht. Die Antwort Ahmadinejads an die Bundeskanzlerin wird sie nicht großartig besänftigt haben. Aufgeschreckt durch die Iran-Verhandlungen in Paris, wo Frankreich und Deutschland tatsächlich eine für alle Seiten befriedigende Lösung des iranischen Atomprogramms finden wollten - Iran legte ein einmaliges Angebot vor, welches Berlin und Paris auf Druck von Washington fallen ließen -, tourten Vertreter Israels ab Herbst 2005 und Anfang 2006 durch europäische Hauptstädte, Washington und Moskau, um die Regierungen davon zu überzeugen, dass das iranische Atomprogramm eine Gefahr für alle darstellte. Angela Merkel übernahm diese Rhetorik nur all zu bereitwillig.

Einen regelrechten Dämpfer für die westliche anti-iranische Rhetorik, verpassten ausgerechnet die US-Geheimdienste im Jahr 2007 selbst. In dem jährlichen National Intelligence Estimate (NIE), einer eigentlich geheimen Einschätzung aller Geheimdienste für diverse Krisenherde auf der Welt, wurde der Teil über den Iran an die Presse geleakt. Für die israelisch/amerikanischen Vorbereitungen, ein internationales Sanktionsregime gegen Teheran auf die Beine zu stellen, war die Einschätzung der Geheimdienste, Iran habe spätestens seit 2003 das nukleare Waffenprogramm eingestellt, ein Desaster. Immerhin fußte die gesamte Rhetorik auf dieser Behauptung. Kein Wunder nannte Präsident George W. Bush diese Einschätzung als "eye-popping", also "staunenerregend".

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